8. Ein langer Tag kurz beschrieben
Keine zwei Wochen nach der Diagnose startete meine Behandlung. Genügend Zeit, um meine Termine zu regeln, meine Abwesenheit am Arbeitsplatz zu organisieren und mein Umfeld zu informieren. Sicherlich nicht genug, um mich auf das Bevorstehende vorzubereiten. Als ich mich an diesem 18. Mai 2022 frühmorgens zur Konsultation bei meiner Onkologin meldete, hatte ich entsprechend keine Ahnung, was mich gleich erwarten würde. Umso besser; es kommt letztlich doch anders.
Wir besprachen nochmals den Ablauf, demzufolge die Therapie gute drei Stunden dauern sollte, dann ging’s auch schon hoch ins onkologische Ambulatorium, wo seither all meine Behandlungen stattgefunden haben. Dort wurde ich sehr nett empfangen und durfte es mir direkt auf der ersten Liege gemütlich machen; da, wo man mich stets gut im Blick hätte…
Los ging’s erst mit dem einen Antikörper, dann mit dem anderen. Soweit lief alles gut, auch wenn es mit dem zwischenzeitlichen Spülen und allem Drum und Dran länger dauerte, als ich mir ausgerechnet hatte. Zum Glück hatte ich Snacks dabei. Zur Ablenkung hörte ich Podcasts und las ein Bisschen was, aber die Zeit wurde trotzdem lang. Mittlerweile habe ich gelernt, nicht alles allein durchstehen zu wollen und dass ich auch jemanden bitten kann, mich zu einer Therapie zu begleiten und währenddessen abzulenken. Damals hatte ich diese Einsicht noch nicht, weshalb ich nicht nur diesen ersten, sondern auch noch die nächsten paar Termine alleine wahrnahm.
Es war schon Nachmittag und damit schon nach der Zeit, die ich mir vorher für die gesamte Therapie ausgerechnet hatte, als wir nach den beiden Antikörpern endlich zur Chemo gelangten. Diese war für weitere 2h geplant. Nach nicht mal zehn Minuten, ich hatte mir gerade ein Stück Schokolade in den Mund gesteckt, wurde mir urplötzlich übel. Eine Pflegefachfrau, die zufällig zu mir rüber schaute, deutete meinen Gesichtsausdruck richtig und kam zu meiner Rettung. Fast zeitgleich eilten mindestens drei weitere Fachpersonen herbei und packten routiniert mit an. Während ich am ganzen Körper rot anlief, nach Luft schnappte und Sterne sah, wurde die Infusion gestoppt, Adrenalin und Sauerstoff herangeschafft und mir gut zugeredet. Jeder Handgriff sass und nach kurzer Zeit nahm ich meine Umgebung wieder wahr und konnte meinen Atem beruhigen.
Ganz offensichtlich war ich auf das Medikament allergisch.
Die Erfahrung war natürlich nicht angenehm, aber durch die schnelle, ruhige und professionelle Betreuung nie wirklich beängstigend. Von daher war ich auch nicht besorgt, als wir die Infusion nach einer kurzen Pause und einer Dosis Antihistaminikum wieder starteten. Das Medikament wurde diesmal langsamer verabreicht und abgesehen davon, dass mir beim Gedanken an Schokolade immer noch etwas schlecht wurde, arbeitete mein Körper diesmal auch mit. So weit, so gut. Irgendwann gegen 16h00 war endlich alles drin, inklusive all meiner Snacks. Ich hatte nach der Anstrengung einen Bärenhunger und das Abendessen wohlverdient.